Arbeit, Kapital und Staat

Heinz J. Bontrup
Arbeit, Kapital und Staat
Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft
4., verbesserte und erweiterte Auflage

Broschur, 649 Seiten, 57 Tab. u. 20 Abb.
EUR 28,00 [D] / 28,80 [A] / CHF 39,90

ISBN 978-3-89438-326-8


erschienen im Januar 2011

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Erschienen im März 2005
Zweite, verbesserte Auflage im August 2005
Dritte, unveränderte Auflage
4., verbesserte und erweiterte Auflage im Januar 2011


Heinz-J. Bontrup,
Prof. Dr. rer. pol., *1953. Diplom-Ökonom und Diplom-Betriebswirt. Langjährige Praxiserfahrung als Personalvorstand und Arbeitsdirektor in der Stahlindustrie. Lehrt seit 1996 als Hochschullehrer für Wirtschaftswissenschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Sprecher der »Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik«. Zahlreiche Buch und Zeitschriftenveröffentlichungen.

Der weltweit betriebene Neoliberalismus hat die schwerste Finanz- und Weltwirtschaftskrise seit achtzig Jahren ausgelöst. Überall wurden die Gewinne zu Lasten der Arbeitsentgelte erhöht und gleichzeitig Lieder auf die »Selbstheilungskräfte des Marktes« gesungen. Der Staat gilt in diesem Kontext nur noch als »Kostgänger« und »bürokratischer Behinderer«. Als sei nichts passiert, gelten Liberalisierung und Privatisierung nach wie vor als die Heilsbringer. Die Ergebnisse sind erschreckend: Massenarbeitslosigkeit, Sozialabbau und Prekarisierung. Von der »Frankfurter Rundschau« als »Top-Ökonom« tituliert, bietet Heinz-J. Bontrup eine fundierte einzel- und gesamtwirtschaftliche Analyse und entwickelt ein Konzept, das weit über die Krise hinausweist: Eine Wirtschaftsdemokratie, die den allgemeinen Wohlstand erhöht und nicht nur den Reichtum einer kleinen Schicht mehrt. Wer sich auf Bontrups Standardwerk einlasse, schrieb die »Frankfurter Rundschau« zur 1. Auflage, werde »reichlich mit Erkenntnisgewinn und Argumentationskompetenz belohnt.«

Rezension Frankfurter Rundschau:

Argumente gegen das neoliberale Einerlei
Bücher zur Kritik der herrschenden Wirtschaftspolitik gibt es wahrlich genug. In den allermeisten wird ein ums andere Mal die neoliberale Agenda ausgebreitet: Warum Löhne und Steuern zu hoch seien, die Arbeitszeiten zu kurz, die Arbeitsbedingungen zu starr oder der Staat zu groß sei. Die rot-grüne Agenda 2010 wird allenfalls als ein Anfang gesehen. Wenige Bücher schreiben gegen den Strom an, etwa Albrecht Müllers "Die Reformlüge" oder Peter Bofingers "Wir sind besser als wir glauben". Heinz-J. Bontrup, Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen, kräftigt mit seinem neuen Buch den Gegenstrom.

Auf 424 dicht bedruckten Seiten hat der Ökonom eine umfassende Kritik der neoliberalen Wirtschaftspolitik zusammengetragen. Wer hier durchhält, wird reichlich belohnt. Bontrup begnügt sich nämlich nicht damit, nur an der Oberfläche zu kratzen. Seine wirtschaftspolitische Agenda im letzten Kapitel des Buchs, wird in den vorangehenden drei Kapiteln umfassend begründet. Die Stärke liegt nicht nur in der Verknüpfung von theoretischem und empirischem Material, sondern auch in der Doppelperspektive einer sowohl betrieblichen wie gesamtwirtschaftlichen Sichtweise. Belohnt werden die Leserinnen und Leser immer wieder mit exzellent ausgewählten Zitaten der Großmeister der Ökonomie - von Adam Smith bis Paul Krugman. Deutlicher als in anderen kritischen Publikationen arbeitet Bontrup die Geschichts- und Theorievergessenheit der herrschenden Ökonomie - unter anderem repräsentiert durch den Münchner Ökonomen Hans-Werner Sinn - heraus.

Arbeitsmarkt ist kein Gemüsemarkt

Dass es kein leichtes Buch ist, liegt in der Natur der Sache. Ein Beispiel:
Die prominente Behauptung von Sinn & Co., dass Arbeitsmärkte wie Obst- und Gemüsemärkte funktionierten, ist schlicht in ihrer Argumentation: Um auch den letzten Apfel loszuwerden, heißt es, muss der Gemüsehändler nur den Preis senken. Genauso sei es mit der Ware Arbeitskraft. Diesen Zusammenhang entlarvt Bontrup als scheinbaren, bei genauerer Betrachtung sogar völlig unsinnigen.

Bontrup belässt es nicht bei einer knappen Widerlegung auf gleichem Niveau. Er bohrt tiefer, greift grundlegende Erkenntnisse von Marx auf und beschäftigt sich mit Theorie und Politik des neoklassischen Arbeitsmarktes. Am Beispiel der Niederlande werden dann die theoretischen Erkenntnisse überprüft. Diese breite Argumentation führt zum Ziel: Nach der Lektüre kann niemand mehr seriös behaupten, Arbeitsmärkte seien mit Obstmärkten vergleichbar!

Eingebettet ist die Frage der Funktionsweise von Arbeitsmärkten in die konkrete Unternehmenspraxis. Hier setzt sich Bontrup mit der Stellung und der Rolle der Beschäftigten auseinander und analysiert personalwirtschaftliche Managementvorstellungen. Dabei geht es nicht um eine pauschale Anklage. Vielmehr zeigt Bontrup auf, dass das Management in der Verfolgung kurzfristiger Strategien längerfristig gegen das eigene Interesse arbeitet, die rein betriebswirtschaftliche Rationalität über kurz oder lang zu einem wirtschaftlichen Kurzschluss führt. Diese Darstellung dient wiederum als Fundament für Bontrups Forderung nach mehr statt weniger Staat, wie er sie im abschließenden wirtschaftspolitischen Kapitel formuliert. Populär ist das sicher nicht, aber ökonomisch begründbar.

Besondere Aktualität erfährt Bontrups Analyse, weil seine wirtschaftspolitischen Forderungen sich weitgehend mit denen der neuen Linkspartei decken. Ein häufiger Vorwurf gegen das Programm der Linken lautet, es entbehre jeglicher ökonomischer Basis - es handele sich quasi um einen Wunschkatalog linker Weltverbesserer. Bontrup dagegen liefert mit seinem Buch den ökonomischen Kontext für die Kernforderungen der Linkspartei: die Besteuerung von Unternehmen und Vermögenden, Ausbau des Kündigungsschutzes und der betrieblichen Mitbestimmung.

Punktgewinn für Demokraten

Gäbe es innerhalb der ökonomischen Wissenschaften noch einen produktiven Streit um die richtigen Analysen und Strategien, Bontrups Buch würde als Punktgewinn für eine demokratische Wirtschaftsauffassung gesehen werden müssen. Aber wahrscheinlich wird auch dieses Buch erfahren, was es heißt, abseits des neoliberalen Stroms gegen die herrschende Meinung zu argumentieren: So droht auch diesem Werk Nichtbeachtung statt produktivem Streit. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele an ökonomischen Fragen Interessierte sich auf das Buch des Gelsenkirchener Professors einlassen. Sie werden reichlich mit Erkenntnisgewinn und Argumentationskompetenz belohnt.

VON NORBERT REUTER, 20.09.2005 Frankfurter Rundschau

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